W U H E I - WHIPPET- BLOG
Samstag, 2. Februar 2008
Mitleid und Anstand
Beides hat mich veranlaßt, dazu und besonders für meine Freunde Stellung zu beziehen. Mitleid, weil der Verlust eines Kindes das Schlimmste ist, was Eltern erleben können. Anstand, weil es mir eine Herzenssache ist, für Menschen einzutreten, die sich in einer Situation aus tiefstem Leid nicht zu wehren vermögen.

In meinem Bekanntenkreis hat es sich ergeben, daß ein sehr nettes Paar ein Kindchen bekam, das bei seiner Geburt sehr schwer behindert war. Die Ärzte mußten den Eltern sogar behutsam beibringen, daß ihr so ersehntes Kind zudem nur eine kurze Spanne Lebenserwartung hatte. Die Eltern taten nun genau das, was ich selbst auch getan hätte: ihr Kind blieb im Spital in der Intensivstation, um ihm die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen.
Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt leider keinen Kontakt mit dem Paar hatte, bin ich sicher, daß ihnen diese Entscheidung auf gar keinen Fall leicht gefallen war. Zudem bestand wohl die hohe Wahrscheinlichkeit, daß Mutter und Vater unter schwerem Schock standen.

Daß sich nun das Schundblatt für die Blabla - Gesellschaft der Sache annahm, daß dann Krankenschwestern ihren Mund nicht halten konnten (wofür sie eigentlich zur Rechenschaft gezogen gehörten) und daraus eine bösartige „Vernachlässigungs-“ Story, maßgeschneidert für Krethi und Plethi, gezimmert wurde, setzt diesem für die Eltern so traurigen Schicksal wahrlich eine Dornenkrone auf.

Solches Denken und Handeln ist zutiefst hirn- und geschmacklos, aber ganz besonders herz- und mitleidslos.
Und genausowenig hat sonst jemand das Recht, aus Distanz und ohne selbst auch nur Ähnliches erlebt zu haben, über das Handeln der Beteiligten auch nur irgendein moralisches Urteil zu fällen. Auch dies ist geschmacklos und ohne Mitleid und vor allem dumm und arrogant.

imjc

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Freitag, 1. Februar 2008
Qui Gong Sansai

ist inzwischen seit Sonntag spätabends in seinem neuen Zuhause in Wien.

Eines der letzten Bilder in Rietz beim Abschiednehmen.

Und wie es sich für einen kleinen "Meister" gehört, genoß er seine erste große Reise geradezu, denn wenn er nicht grad schlief, schaute er höchst interessiert aus dem Fenster, klein Gefiepe, keine Übelkeit, einfach nur eitel Wonne!
Dort angekommen, lief er schnurstraks auf das liebevoll hergerichtete Bettchen und nahm es in Besitz:

Auch die erste Nacht war völlig unproblematisch, er schläft sogar bisher überwiegend in seinem eigenen Bettchen - naja, warten wir es mal ab, bis er draufkommt, wie schön es im ganz großen Bett ist!

Inzwischen hat er zumindest einen kleinen Teil von Wien erobert - aber immer erst nach genauem, sehr ruhigem Betrachten all der neuen Dinge.
Er scheint ein unglaublich braver Whippetbube zu sein und wird auch von allen fremden Menschen ob seiner Schönheit bewundert!
imjc

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Freitag, 25. Januar 2008
Wortmißbrauch, Folge 1
ASOZIAL

Eine meist ohne Wissen um und ohne Verständnis für die historische Herkunft des Wortes gebrauchte Bezeichnung. Der Begriff wurde Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts im Umfeld des beginnenden Nationalismus in Deutschland geprägt, gleich zu Beginn mit dem Vorhaben, damit alle Menschen, die diesem kranken Gedankengut im Wege waren, mit einem auch den einfachsten Hirnen leicht einprägsame Schlagwort zu diskreditieren, dann zu eliminieren und sich im Sinne der arischen Sache deren Hab und Gut anzueignen. Der Nationalsozialist Heydrich beauftrage die Ausarbeitung eines „Gemeinschaftsfremdengesetzes“, in dem Zwangssterilisierung und Schutzhaft für alle in den Augen der Nazis als „asozial“ Eingestuften vorgesehen waren. Als „Gemeinschaftsfremde“ galten „Arbeitsscheue“, „gewohnheitsmäßige Schmarotzer“, „Landesverräter“, „Rassenschänder“, „sexuell Hemmungslose“, „Süchtige“, „Trinker“, „Prostituierte“, „Abtreiberinnen“ und „Straffällige“. Die Jüngeren (bis zum 17. Lebensjahr) wurden im Rahmen der „Kindereuthanasie“ getötet. Der Großteil der als „asozial“ Eingestuften wurde durch den SS- und Polizeiapparat ermordet, also durch Inhaftierung in KZs und „Vernichtung durch Arbeit“. Auch in der psychiatrischen Anstalt Am Steinhof in Wien wurde eine Arbeitsanstalt für „Asoziale“ eingerichtet. Dort wurden „asoziale“ Mädchen und Frauen zwangssterilisiert.
Aber auch das denunzieren unliebsamer Personen durch Nachbarn als „asozial“ wurde gefördert und belohnt. Und wenn heute jemand schnell mal acht- und hirnlos und asozial sagt, kommt er nach meiner Erfahrung meist aus einem sehr rechten, häufig ehemals „deutschdeutschen“ Umfeld.

Für meine halbjüdische Großmutter war dieses Wort immer verpönt. Ein Bettler war immer ein Mensch, der gestrauchelt war und dem man vielleicht doch noch helfen konnte, ein Süchtiger war immer ein Kranker, jemand, der eine andere Religion oder Hautfarbe hatte, wurde so, wie er war toleriert. Aber niemand von all diesen Menschen wurde als asozial bezeichnet.
Für mich, geprägt vom nichtchristlichen Humanismus meiner Großmutter, ist auch heute noch die Verwendung dieses Wortes schwierig, ich verwende es nicht, um die Unfähigkeit zum Leben in einer Gemeinschaft zu bezeichnen, das ist zu verallgemeinernd. Man kann sehr wohl am Rande der Gesellschaft leben und dennoch alle ihre Regeln einhalten, man muß nicht überall mitmachen und kann dennoch vielen Menschen etwas Positives zu sagen haben, man muß nicht Jedermanns Liebling sein, aber man kann ehrlich sein und dennoch niemanden verletzen – wenn die Menschen die Wahrheit akzeptieren könnten.

Konkret ist für mich jemand asozial, der sich auf Kosten anderer bereichert, sich ein Amt erschleicht, der lügt, betrügt, stiehlt und verleumdet; jemand, der Kinder und Alte vernachlässigt, der Schwache mißbraucht und Gewalt anwendet.

imjc

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